Die Zukunft der Grundschulen

26.06.2019 Schermbeck (js) „Es geht heute nicht nur um die Schullandschaft in Schermbeck. Es geht um viel, viel mehr“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth gleich zu Beginn der Infoveranstaltung am Mittwochabend (26. Juni) im Ramirez.

Die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für verschiedene Grundschulstandorte in der Gemeinde Schermbeck stand im Mittelpunkt der Diskussion. Die Frage, ob es in Zukunft im Ort nur noch eine große Grundschule geben soll oder beide Schulen erhalten bleiben, erhitzte die Gemüter.


Warum die Gemeinde ein Planungsbüro damit beauftragt hatte, ein Konzept für die Zukunft der beiden Schermbecker Grundschulen zu entwickeln, erklärte der Bürgermeister zu Anfang. „Die Altersstruktur in Schermbeck wird sich bis 2040 stark verändern“, erläuterte Rexforth. Die Generations ab 65 Jahren wird stark zunehmen – aber immer weniger junge Menschen kommen nach. Mit den Auswirkungen des demografischen Wandels muss sich der Bürgermeister jetzt schon intensiv beschäftigen.


Denn nicht nur das Problem des Wohnraums stellt die Gemeinde vor Herausforderungen. Auch die Frage, welche Maßnahmen man ergreifen muss, um eine attraktive Schullandschaft zu gestalten. Denn auch hier gibt es Zahlen, die die Gemeinde früher oder später zum Handeln zwingt. Seit den 1990er Jahren ist die Schülerzahl an beiden Standorten um 40 Prozent zurück gegangen. „Heute sind es knapp 400 Grundschüler in Schermbeck. Damals waren es noch 600“, so Rexforth.


Wie soll man nun mit rücklaufenden Schülerzahlen umgehen? In einer 177 seitigen Machbarkeitsstudie des Architekten Markus Rathke, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, wurden mehrere Konzepte erarbeitet. Sollen die Maximilian-Kolbe und die Gemeinschaftsgrundschule zu einer Schule fusionieren? Soll komplett neu gebaut oder nur angebaut werden? Oder beide Standorte erhalten bleiben? Markus Rathke betonte in seiner Präsentation: egal für was sich die Gemeinde entscheidet, es muss investiert werden. Denn beide Schulen sind sanierungsbedürftig, sind nicht barrierefrei und entsprechen nicht aktuellen Standards. „Das kostet richtig Geld“, so Rathke.


Die Idee, beide Grundschulen zu einer Schule zusammenzuführen, wurde bereits in der Schulpflegschaft diskutiert. Beide Schulen sprechen sich für einen gemeinsamen Standort aus. Argumente dafür wurden bei der Infoveranstaltung auch präsentiert. Die Schulleitung sei immer vor Ort, die Organisation vereinfacht, die Ausstattung wäre moderner und es herrsche keine „Konkurrenz“ mehr zwischen den beiden Schulen. Außerdem können man an Kosten und Personal sparen.


Markus Rathke präsentierte verschiedene Möglichkeiten, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte. Als Standorte kämen vier Varianten in Betracht. Entweder man nutze eine der Flächen der bestehenden Grundschulen und baut hier neu. Oder jeweils ein Acker auf der Weseler Straße oder der Freudenbergstraße könnte für einen Neubau genutzt werden. Dabei hat sich das Planungsbüro mit verschiedenen Fragen beschäftigt: Wie ist die Erreichbarkeit der jeweiligen Standorte? Welche Auswirkungen hat der Schulbau auf das Umfeld? Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?


Eine Frage brannte den Schermbeckern im Ramirez an dem Abend natürlich unter den Fingern: Was kostet das alles? Zwar hatte das Planungsbüro verschiedene Bilanzen aufgestellt. Doch richtig konkrete Zahlen könne man zu so einem Zeitpunkt noch nicht nennen. Sicher ist, dass mehrere Millionen investiert werden müssten, um den Erhalt beider Standorte in den nächsten Jahren zu sichern. Bei einem Neubau müsse man mit mindestens 15 Millionen rechnen. Dabei komme es auch drauf an, welche Förderungen die Gemeinde vom Land bekommen würde, wenn sie zum Beispiel zusätzlich die neue Grundschule als Kommunales Bildungszentrum ausbauen würde.
Bei der Komplexität des Themas und der verschiedenen Möglichkeiten, gab es genug Stoff Argumente auszutauschen. Manch einer stand der Machbarkeitsstudie und der Zusammenführung beider Schulen skeptisch gegenüber. Zwischenrufe und lautes Gemurmel blieb nicht aus.


Die Schermbecker wurden nach der Präsentation dazu eingeladen, mitzudiskutieren und Argumente auszutauschen. Da die Planungen erst ganz am Anfang stehen, wolle man sich einen Überblick verschaffen. Die Bürger hatten die Chance, die Entscheidungsfindung aktiv mit zu gestalten. In den vier Ecken des Raumes wurde jeweils eine Station aufgebaut, an der Kommentare und Bewertungen abgegeben werden konnten. Diese werden dann ebenfalls in die finale Machbarkeitsstudie aufgenommen, die am Ende des Prozesses eine fundierte und von den Bürgern akzeptierte Entscheidung ermöglichen soll.


Frühestens Ende des Jahres wird eine Entscheidung fallen. Bis es soweit ist, ist es noch ein langer Weg, denn viel muss bedacht werden und alle Optionen intensiv geprüft. „Es ist eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte“, so Bürgermeister Mike Rexforth. Deswegen überlege die Gemeinde ausführlich und lang, wo es in Zukunft hingehen soll.