20 Jahre Volksliederclub am Wachtenbrink

11.7.2019 Drevenack/Damm (geg). Am 16.Juni 1999 kam bei einigen Wachtenbrinker Nachbarn anlässlich eines „Dielenfestes“ der Wunsch auf, sich doch regelmäßig zum Singen zu treffen.

Das Vorhaben wurde bereits sieben Tage später, also am 23. Juni umgesetzt. Reinhard Hüfing, der Chorleiter ohne Amt und Sänger beim MGV Drevenack hat seit der Zeit das symbolische Dirigat in der Hand. Jeder Chor würde sich über die Beteiligung freuen, denn kaum jemand lässt den Termin zum gemeinsamen Singen aus. Da müsse es schon einen gravierenden Grund geben, heißt es.
Reinhard Hüfing stimmt das Lied an und 3,4: “Wem Gott will rechte Gunst erweisen (..)“ schmettern die neun Damen und vier Herren im umgebauten Stall auf dem Hof Bergmann. Hier treffen sie sich seit dem Jahr 2003 jeden ersten Dienstag im Monat, vorher ging es reihum.
Das erste Lied darf sich immer das Geburtstagskind des Monats wünschen. In diesem Monat gibt es keines, so dass die oder der älteste Sänger/in den Volksliederreigen beginnt. Elsbeth war es und schmettert laut mit. Danach geht’s reihum weiter. Nach dem ersten Durchgang gibt es dann ein Erholung- und Unterhaltungspäuschen bei dem das neueste aus dem Dorf und noch viel mehr erzählt wird. Denn auch das ist ein Grund für die regelmäßige Zusammenkunft- das wird schnell deutlich. Hüfing lacht als er berichtet: “Manchmal ist es schwer alle an den Liederordner zurückzuholen“. Aber dafür habe er ein Glöckchen, das zur Aufmerksamkeit mahne, denn nach zwei Stunden geht es wieder nach Hause und dann wollen sie ja etwas geschafft haben.
So sei das auch schon beim allerersten Treffen gewesen, bei dem die meisten mehr erzählt als gesungen haben. Damit die Kehle ordentlich geschmiert ist, gibt’s natürlich auch das eine oder andere Likörchen zwischendurch. Es ist wohl die Kombination zwischen dem gemeinsamen Singen und der geselligen Zusammenkunft die das Trüppchen zusammenhält.


Reinhard Hüfing erinnert sich noch genau an das erste Treffen und -man glaubt es kaum- auch an die ersten beiden Lieder, die gesungen wurden: „Kein schöner Land“ und „Im schönsten Wiesengrunde“ kommt es auf die Frage danach, wie aus der Pistole geschossen. Aber das hatte auch seinen Grund. Denn: “Die erste Strophe kannten alle und dann wurde es von Strophe zu Strophe dünner“, erzählt er. Deshalb erhielt jeder die Hausaufgabe seine Lieblingslieder aufzuschreiben. Hartmut Dejoks stellte dann für jeden einen entsprechenden Liederordner zusammen. Und der wiegt schwer. „Wir wählen zwischen 143 Liedern aus“, so Hüfing. Für die Weihnachtszeit haben sie ein Repertoire von 31 Liedern.
Die Sänger/innen sind im Alter von 69 bis 89 Jahren. „Nachwuchs gibt’s leider nicht“ kommt es aus den Reigen der Volksliedergemeinschaft. Und: “Als Kinder sind wir mit einem Lied auf den Lippen aufgestanden, das gibt es heute gar nicht mehr und die alten Volkslieder sind für die jungen Menschen sowieso uninteressant“. Das Trüppchen ist überzeugt dass das Liedgut irgendwann aus dem Bewusstsein verschwunden sein wird. Nicht fehlen an so einem Abend darf das Drevenack Lied. Die Senioren berichten davon, dass es im Jahr 1974 vom MGV Drevenack geschrieben wurde und sich seit der Zeit großer Beliebtheit im Ort erfreut.
Trotz des fortgeschrittenen Alters präsentieren sie sich recht stark in der Stimme, singen sogar mindestens zweistimmig- aber Auftritte gibt es nicht. Das wollen sie nicht. Hüfing erzählt: “Nur zu runden Geburtstagen oder Jubiläen singen wir gemeinsam ein Ständchen von vier ausgewählten Liedern, die sich der Jubilar oder die Jubilarin aussuchen darf.“
Zwischendurch treffen sich die älteren Herrschaften in lockerer Reihenfolge auch mal außerhalb des Gesangs. Die ersten Jahre zum Abendessen, dann zum Frühstücken und mittlerweile zum Mittag essen in einem Lokal. Den Abend beschließen sie immer mit dem Lied „Wieder neigt sich der Tag seinem Ende“.