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Fossile Funde belegen: Mützen-schnecke ist uralt aber selten

21.7.2019 Schermbeck. Entdecken die Biologen Mützenschnecken im Gewässer, ist das Grund zur Freude! Da die vier bis acht Millimeter großen Wasserlebewesen nur über ihre Haut atmen können, brauchen sie extrem sauerstoffreiches Wasser und sind somit ein Anzeiger für gute Wasserqualität. Der Lippeverband hat die Schnecken mit der außer-gewöhnlichen, spitzen Kopfbedeckung darum als „Bewohner des Monats Juli“ ausgewählt. In Schermbeck kommt die Mützenschnecke in der Lippe vor.
Urzeittier mit kleinem Bewegungsradius
Obwohl fossile Funde belegen, dass es Mützenschnecken schon vor 2,6 Millionen Jahren gab, ist diese Schneckenart mit dem lateinischen Namen „Ancylus fluviatilis“ äußerst sensibel – in einigen Bundesländern steht sie auf der Roten Liste der gefährde-ten Arten. „Die Mützenschnecke ist nicht sehr mobil, ihr Radius beschränkt sich in der Regel auf einen Meter. Daher braucht es bis zur Besiedlung von renaturierten Gewässerabschnitten immer ein wenig Zeit“, weiß Sylvia Mählmann, Biologisch-technische Assistentin des Lippeverbandes. Entweder driften die Schnecken ein Stück mit der Strömung oder reisen als „blinde Passagiere“ am Bein eines Vogels oder eines großen Wasserkäfers weiter.


Mit dem Strom: Kopfbedeckung nützt und schützt
Doch wo kann man die Miniatur-Schnecken im Wasser entde-cken? Die Mützenschnecke hat kein rundes Häuschen, wie Gar-tenschnecken es mit sich herum-tragen. Ihr gewindeloses Haus ähnelt eher einer leicht nach hinten gebogenen, spitzen Mütze. Das Gehäuse ist dabei dünnwandig und bei älteren Tiere oft mit einer Algenschicht be-wachsen. „Mit ihrer mützenförmi-gen Schale ist diese Schnecke perfekt an das Leben in fließen-den Gewässern angepasst. Sie saugt sich mit einer breiten Fuß-scheibe an Steinen fest und ‚grast‘ Algen und Flechten ab“, beschreibt Sylvia Mählmann. Die Nahrung verdauen die Tiere mit Hilfe von Sandkörnern im Mus-kelmagen. Sitzt die Mützen-schnecke einmal „auf dem Tro-ckenen“, übersteht sie Wasser-mangel durch kurzfristiges Fest-heften am Steinuntergrund.
Vielfältiger Schneckensex dient der Arterhaltung
Mützenschnecken müssen nicht zwangsläufig auf Partnersuche gehen, wenn sie sich fortpflanzen wollen. Stimmt die Wassertempe-ratur im Frühjahr, kann die Müt-zenschecke als Zwitter ihre Rolle beliebig tauschen, da sie zwei Geschlechtsorgane hat. Teilweise bilden die Schnecken sogar ‚Kopulations-Ketten‘ von vier bis fünf Tieren. Doch noch häufiger findet die Selbstbefruchtung statt, was einen enormen Überlebensvorteil bringt: So kann aus einem einzelnen Tier eine komplett neue Population entstehen! Der Laich der Mützenschnecke besteht aus kleinen durchsichtigen Gallertscheiben, die sie fest an den Untergrund kittet. Insgesamt kann eine erwachsene Schnecke bis zu 100 Eier legen. Nach 3 bis 4 Wochen schlüpfen die kleinen, weniger als ein Millimeter großen Schnecken und haben dann eine Lebenserwartung von rund einem Jahr.

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