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Neujahrspredigt von Pfarrer Klaus Honermann

1.1.2018 Schermbeck. Man nennt die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr auch schon mal: „Zwischen den Jahren“. Gibt es das: zwischen den Zeiten, eine Zwischen-Zeit?

Können wir die Uhr anhalten? Bei einer mechanischen Uhr geht das. Und doch: die Zeit selbst können wir nicht anhalten. Die ist ständig im Fluss.

Aber uns selbst können wir sozusagen anhalten. Einen Moment inne-halten. Und genau das tun wir im Grunde, wen wir von einem Jahr ins nächste wechseln.
Jedenfalls wenn wir nicht einfach nur Sekt-trinkender Weise mit Sylvesterkrachern ins nächste Jahr taumeln, sondern uns im Gottesdienst vor Gott versammeln, der uns Zeit und Ewigkeit schenkt.
Im Ge-wahr-werden des Gelebten und Un-gelebten, im Bewusstwerden der Geschichte: der eigenen und der gemeinsamen. Und so blicken wir zurück auf das Jahr 2017.

Frank Walter Steinmeier wurde Bundespräsident und Armin Laschet Ministerpräsident in NRW
England erklärte den Austritt aus der EU, den sog. Brexit.
Der türkische Präsident ließ zahllose Kritiker und Journalisten widerrechtlich einsperren und unterdrückt jegliche Kritik an seinem Regierungssystem.
Der Deutsche Bundestag beschloss die Einführung der „Ehe für alle“.
Das Bundesverfassungsgericht forderte im Geburtenregister ein drittes Geschlecht für intersexuelle Menschen.
Die AfD wurde mit 12,6 % drittstärkste Partei im Bundestag.
Auf 100% Schulz folgte der politische Einbruch. Nach langen Verhandlungen ist die sog. Jamaika-Koalition gescheitert.
Diktator Mugabe von Zimbabwe wurde nach fast 4Jahrzehnten zum Rücktritt gedrängt.
Das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien konnte sich gegen die spanische Zentralregierung nicht durchsetzen. Die Region ist gespalten.
In Hamburg wurde die Eröffnung der Elbphilharmonie gefeiert und kurze Zeit später erschütterten beim G-20-Gipfel Krawalle die Stadt.
Die kriminelle Manipulation von Dieselmotoren, welche in Deutschland praktisch geduldet wurde, erschüttert das Vertrauen in die Autoindustrie und die Kontrolle durch die Regierung.
Trump erkannte gegen das Völkerrecht Jerusalem als Hauptstadt Israels an und löste politische Unruhen im Nahen Osten aus.
Bei Anschlägen auf zwei koptische Kirchen wurden in Ägypten mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt.
Bei einem Anschlag wurden in der somalischen Hauptstadt Mogadischu mindestens 358 Menschen getötet sowie mehr als 200 verletzt. Dazu kamen noch viele andere Anschläge.
Bei einem Massaker wurden im amerikanischen Las Vegas 58 Menschen von einem einzelnen Täter erschossen und mehr als 520 werden verletzt.
Während die Medien tagelang über die Überschwemmungskatastrophe in den USA berichteten, blieben die Überschwemmungen mit über 1700 Todesfällen in Asien nur eine Randnotiz.
Ein Erdbeben im Grenzgebiet von Iran und Irak forderte Hunderte Todesopfer und Tausende an Verletzten.
Deutschland wurde U-21-Europameister und gewann den FIFA-Confederations-Cup.
Die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“ bekam den Friedensnobelpreis.
In Bonn tagte die Weltklimakonferenz.
Die #me-too-Bewegung hat jahrzehntelange sexuelle Übergriffigkeit von Prominenten gegen Frauen aufgedeckt.
Vor 500 Jahren begann die Reformation.
Der Ludgerus-Kindergarten und die Pfadfinder feierten ein Jubiläum.
11 Personen wurden in einer Listenwahl bei uns als neuer Pfarreirat legitimiert.
Mit unserer Hilfe wurde in Ponugodu in Indien eine Kirche gebaut.
Unser neuer Regionalbischof Rolf Lohmann firmte 80 Jugendliche aus unserer Gemeinde.
Das ist die öffentliche Geschichte.
Dazu kommt unsere persönliche: Verwandte und Freunde bekamen Kinder oder starben. Wir selbst erlebten Höhepunkte oder Krisen. Welche Ereignisse kommen mir spontan hoch, wenn ich an das vergangene Jahr denke?
Welche Hoffnungen und Befürchtungen verbinde ich mit dem Jahr 2018, das uns erwartet?

Die Zeit ist nicht so sehr das, was wir an Kalendertagen und Monaten und Jahreszahl vorfinden.
Dabei ist es gewiss nicht unerheblich, dass unsere Zeit geordnet ist.
Gefangene in unmenschlichen Gefängnissen, wo ihnen elementare Menschenrechte vor-enthalten werden, machen Striche an die Wand ihrer Zelle, um sich nicht ganz zu verlieren
im verschwimmenden Fluss der Zeit. Um einen Anhaltspunkt zu haben, an welchen „Zeitpunkt“ ich mich befinde.

Wenn wir einen neuen Kalender kaufen, dann gibt er eine gewisse Zeit vor.
Und wir kennen den Chronometer; eine Uhr, welche mehr als nur die Stunde anzeigt.
Das Wort kommt vom altgriechischen Gottesnamen Chronos – Zeit.
Die alten Griechen hatten aber auch einen anderen Zeitbegriff:
Kairos – der erfüllte Augenblick, die Sinn-erfüllte Zeit.

Entscheidend und das Unterscheidende ist nicht der Kalender an sich, sondern was wir in unseren Kalender eintragen. Nicht nur an Terminen, sondern was sich mit diesen Terminen verbindet an Erlebnissen, Freuden und Enttäuschungen. Und ob das nur vorgegebene Termine sind, oder was wir mit diesen Terminen anfangen. Ob es für uns eine Sinn-erfüllte Zeit ist. Und was wir selbst dazu beitragen können, dass die Zeit von der Gegenwart Gottes erfüllt ist.

Die Germanen hatten Angst, wenn die Tage kürzer und die Nächte mit der Dunkelheit immer länger wurden.
Sie hatten die Angst, dass dann alle Zeit in der namenlosen Dunkelheit, im Nichts endet.
Wir haben – nicht nur weil wir heutzutage naturwissenschaftliche Kenntnis haben –
diese Angst nicht. Dafür haben wir andere, wie neuerdings wieder die Angst vor einem Atomkrieg, weil 2 macht-besessene Männer sich provozieren.

Wenn ein Kranker aus Albträumen erwacht und merkt, dass es wieder Tag ist, dann ist es auch in ihm wieder hell geworden. Und so hoffen wir, dass die Angst vor einem Atomkrieg nur ein Albtraum bleibt. Dass es im Umfeld von Trump und Kim Jung Un genügend Menschen mit Einfluss gibt, welche besänftigend einwirken können – nicht nur was den Gebrauch von Waffen betrifft.

Jesus, das Kind in der Krippe ist das Gegenbild Gottes zu egozentrischen, maßlosen Machthabern.

Die Kirche lenkt am Neujahrstag, dem Oktavtag nach Weihnachten, den Blick auf Maria. Sie hat uns Jesus geboren, den Mensch gewordenen Frieden Gottes.
An Weihnachten haben wir gefeiert, dass „der Himmel auf die Erde kam“.
Aber dieser Friede Gottes, die göttliche Gegenwart unter uns, will – wie ein Neugeborenes – ständig von uns beschützt und geborgen werden.

Neu anfangen mit Jesus, dem Neuanfang Gottes mit uns. Klaus Hemmerle sagt dazu:
„Das Ziel finden wir nur, wenn eine Leidenschaft uns treibt. ... Die Leidenschaft für Gott, die Leidenschaft für das Evangelium ist zugleich Leidenschaft für den Menschen. Da kann es uns nicht egal sein, wenn Menschen verzweifelt sind, wenn sie nicht glauben können, wenn sie keinen Sinn sehen, wenn sie verhungern, wenn sie kein Recht haben, wenn es keinen Frieden gibt.“

Leidenschaft für den Menschen – hier zwei Beispiele von vielen, wie christliche Organisationen Sterne der Hoffnung aufleuchten lassen:

Im Nordosten Ugandas leben vier Fünftel der Bevölkerung in extremer Armut. In ihrer Not brechen vor allem Frauen Marmor mit einem Vorschlaghammer (!).
Die Ecological Christian Organisation (ECO) schult Frauen wie die 62jährige Tereza stattet sie mit Werkzeugen aus, vermittelt ihnen grundlegende Rechenkenntnisse, und schult sie in der Vermarktung der Rohstoffen. Tereza, die nie zur Schule ging, hat nun eine Kooperative gegründet, in der Frauen sich unterstützen, gemeinsam Geld sparen und so ihren Kindern Schulbildung ermöglichen.

Subhana ist Kinder-Gesundheitshelferin bei der Organisation „Butterflies“, welche von MISEREOR unterstützt wird. Hier hat sie die Grundlagen gelernt über Hygiene, Desinfektion und die Prävention von Krankheiten. Sie ist gerade 12 Jahre geworden und ständig im Einsatz für andere Kinder. „Die meisten Kinder hier haben Gesundheitsprobleme wegen der schlechten Hygiene, dem Müll auf den Straßen, schmutzigem Wasser und schlechtem Essen.“, berichtet Subhana.
Ihr Wissen gibt sie nun an die anderen Kinder weiter, die sich jede Woche an den Kontaktstellen der Organisation „Butterflies“ versammeln. Sie versorgt mit einer Erste-Hilfe-Box kleinere Wunden und wechselt Verbände. Die Kinder vertrauen ihr. Und wenn sie wirklich einen Arzt brauchen, gibt es eine Ambulanz der Organisation „Butterflies“. Hier bekommen sie unbürokratisch Hilfe.
Rund 1.500 Kinder kommen jeden Tag zu den Kontaktpunkten von Butterflies. Der Unterricht findet mitten auf der Straße (!) statt, für Kinder, die sonst nie eine Schule besuchen könnten. Hier lernen sie gemeinsam – und können sogar Prüfungen ablegen. Inzwischen haben es viele der Straßenkinder wie Subhana auf eine staatliche Schule geschafft und haben sehr gute Noten.

Wir wollen unsere Gedanken einmünden lassen in ein Gebet. Wir wenden wir uns jetzt an den, der uns Zeit und Ewigkeit zukommen lässt:

In deine Hand, Gott, du Lebendiger, geben wir das alte und das neue Jahr
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir Erwartungen und Befürchtungen
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir Mut und Ängste
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir Erfolge und Misserfolge
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir Höhenflüge und Niederlagen
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir unsere Schwestern und Brüder
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir die Starken und die Leidenden
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir unsere Lieder und unser Schweigen
- Denn DU bist da für uns.
In deine Hand geben wir Einsamkeit und Lebensfülle
- Denn DU bist da für uns.
Klaus Honermann

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