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Julius Gedrath: Amtgerichtsrat in Dorsten und wiederentdeckter Literat aus Schermbeck

Von Wolfgang Stegemann
22.3.2018 Schermbeck. Julius Gedrath: wurde 1904 in Schermbeck geboren und entstammte einer westfälischen Familie, die nach Schermbeck zuzog.

Sein Vater war Direktor der damaligen „Schermbecker Thon & Falzziegelei AG“. Nach dem Abitur in Bielefeld absolvierte Julius Gedrath eine Banklehre in Wesel, studierte Jura in Münster und Marburg und bestand am Oberlandesgericht Hamm 1933 das erste juristische Examen und 1937 in Düsseldorf das Assessoren-Examen. Danach arbeitete er bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, beim Landgericht Düsseldorf, dem Arbeitsgericht Duisburg-Hamborn und in Dinslaken.


1940 bis 1945 war er Soldat und kehrte nach Entlassung aus der Gefangenschaft 1946 nach Schermbeck zurück und durfte mit Genehmigung der Militärregierung im gehobenen Justizdienst arbeiten. Im selben Jahr kam er zunächst als Rechtspfleger an das Amtsgericht Dorsten, wurde 1948 Hilfsrichter und war als solcher bis 1951 an den Amtsgerichten Essen, Dorsten, Gladbeck und Marl tätig, danach nur noch in Dorsten, wo er noch 18 Jahre blieb. 1966 wurde er in den Ruhestand verabschiedet.
Humorvoll Gereimtes in Büchern veröffentlicht
1957/58 war der Richter Schützenkönig der Kiliansgilde Schermbeck, war zudem deren Schriftführer und viele Jahre Vize-Präsident. Jenseits vom Gerichtssaal entdeckte er seine schriftstellerische Neigung und Leidenschaft. Bereits im Krieg hatte er Gedichte geschrieben und unterhielt am Dorstener Amtsgericht seine Kollegen bei festlichen Zusammenkünften mit seinen humorvollen Texten. Etliche Gedichte hatte er zu Büchern zusammengestellt, die von der Schermbecker Druckerei Köster und vom Dorstener Verlag J. Weber (Hülswitt) veröffentlicht wurden, darunter „Schulte-Wackelkamp“, „Konsorten und Kalamitäten. Lustige Begebenheiten in Reimen“ und „Medusa“. In den bis zu 30 Seiten starken Büchern, alle ohne Jahresangaben, erheitert der Autor mit kleinen Alltagserlebnissen in Versform. Über große Persönlichkeiten wie die Preußenherrscher Friedrich Wilhelm I. und den IV., Hindenburg, Bismarck, Richard Wagner und andere schrieb er in „Anekdoten“ ebenfalls Gereimtes in Versform. In seiner Geburtsgemeinde Schermbeck, in der er 1993 mit 89 Jahren starb, wollte man nicht viel um ihren dichtenden Mitbürger wissen. Nur einmal wurde er im damals neuen Heimathaus zur Lesung eingeladen Das war 1988, fünf Jahre vor seinem Tod. Und in der Schermbecker Gemeindebücherei ist kein Buch Julius Gedraths zu finden. 2015 erinnerte das Dorstener „Cornelia-Funke-Baumhaus“ an den vergessenen Literaten und Juristen.

Der Fall Hammer

Am Stammtisch ging es heut hoch her,
Herr Hammer trank auch etwas mehr.
Beschwipst kehrt er nach Haus zurück,
auf Frau und Kinder fällt sein Blick.
Er zählt die Häupter seiner Lieben
Und sieh, es sind statt sechse sieben.
Als er die Zählung nochmals macht,
sind es nicht sieben, sondern acht.
Er denkt: Das kann ja doch nicht sein,
und zählt nicht acht nur, sondern neun.
Er stöhnt: Was ist denn hier geschehen,
und zählt statt neun nun plötzlich zehn.
Er wähnt verstört: Gleich sind es elf,
er irrt, denn diesmal zählt er zwölf!
Da muss er mit Entsetzen weichen,
tritt bei dem Bund der Kinderreichen,
wo man ihn gleich zum Leiter macht,
spät kehrt er heim in dieser Nacht.
Doch als er Tags drauf Beitrag zahlt,
geht seine Frau zum Rechtsanwalt,
und dieser spricht: „So etwa rächt sich
nach fünfzehnhundertachtundsechzig.“
Demnächst läuft vor der dritten Kammer
Die Ehescheidungssache Hammer.
Und als Moral steht drum geschrieben:
Nicht immer scheint es angebracht,
dass man von seinen teuren Lieben
im Rausch Bestandsaufnahme macht!

Anmerkung:
Als Autor ist er eine Wiederentdeckung, auf die der Schermbecker Helmut Scheffler 2015 in der „Dorstener Zeitung“ hinwies und an das literarisch-humorvolle Schaffen des Amtsrichters erinnerte.
.Das Gedicht ist entnommen dem Bändchen “Konsorten und Kalamitäten”, das im Verlag Weber in Dorsten erschienen ist (o. J.). Den Band hat Dr. Erich Brendel aus Gescher der Lexikon-Redaktion zugeschickt. – Quelle: Helmut Scheffler in DZ vom 31. Oktober 2015; obiges Foto: Archiv Helmut Scheffler.

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