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Ökologische Verbesserungen an Emscher und Lippe

3.4.2018 Region. (pd). Emschergenossenschaft und Lippeverband setzen aktuell geforderte Maßnahmen bereits seit vielen Jahren um

An Emscher und Lippe. Laut einer aktuellen Antwort der Bundesre-gierung auf eine Anfrage der Grünen befinden sich die wenigsten Flüsse und Bäche in Deutschland in einem ökologisch guten Zustand. Um dies zu verändern, forderten nun am langen Oster-Wochenende zahlreiche Experten aus der Politik sowie von Naturverbänden weit-reichende Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung der deutschen Gewässer. Die Emschergenossenschaft und der Lippeverband haben viele der nun gestellten Forderungen bereits vor vielen Jahren in die Wege geleitet. Die bereits 1992 begonnene Renaturierung des Emscher-Systems ist weltweit eins der größten Projekte dieser Art, mit dem Lippe-Programm soll zudem der längste Fluss NRWs in den kommenden Jahren auch das schönste Gewässer des Landes werden.

Aufhebung von Flussbegradi-gungen, Deichrückverlegungen und Schaffung von naturnahen Auen – das sind nur einige der nun gestellten Forderungen sei-tens vieler Experten. Beim Em-scher-Umbau sowie beim Lippe-Programm sind sie bereits inbe-griffen.

Die Emscher
Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau um. Jedes Ge-wässer erhält ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwäs-ser zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Die oberirdischen Bäche sind damit abwasserfrei und kön-nen anschließend naturnah umgebaut werden: Die Beton-sohlschalen werden entfernt, die Böschungen weiter und vielseiti-ger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf.

Über einen Zeitraum von 30 Jah-ren investiert die Emschergenos-senschaft prognostizierte 5,266 Milliarden Euro. Rund 340 von insgesamt 400 Kanalkilometern sind bislang verlegt worden, knapp 130 von 326 Kilometern an Gewässerläufen wurden schon ökologisch verbessert.

Der Oberlauf der Emscher und ihre Nebenläufe in Dortmund sind bereits seit Anfang 2010 auf einer Länge von etwa 24 Kilometer komplett abwasserfrei – und heute bereits weitestgehend renaturiert, ebenso auch die früheren Emscher-Arme Alte Emscher und Kleine Emscher im Raum Duisburg.

Anstieg der Artenvielfalt
Besonders erfreulich ist der An-stieg der Artenvielfalt an der Em-scher von zirka 170 Arten Anfang der 90er-Jahre auf nunmehr 450 Arten im Jahr 2017 – zurückge-kehrt sind unter anderem die Emschergroppe, der Dreistachli-ge Stichling und die heimische Bachforelle!

Um die Durchgängigkeit des Flusses von der Mündung in den Rhein bis zum Oberlauf in Dort-mund/Holzwickede zu gewähr-leisten, verlegt die Emscherge-nossenschaft derzeit die Mün-dung in Dinslaken um 500 Meter nach Norden – durch den Aus-gleich des Höhenunterschiedes zwischen Emscher und Rhein entfällt der „Emscher-Wasserfall“ in den Rhein, Fische von dort können künftig problemlos ins Emscher-System einwandern.
Die Lippe
Auf den ersten Blick erscheint die Lippe bereits heute recht idyllisch und naturnah. Das Schicksal der Emscher als kanalisierter Beton-lauf, als sogenannte Köttelbecke, hat die Lippe glücklicherweise nie ereilt. Nach wie vor verfügt sie über viele Kurven und Mäander – doch es könnten eben auch noch etwas mehr sein, auch im Sinne einer artenreichen Lebensvielfalt und eines verbesserten Hoch-wasserschutzes.

Dort, wo die Lippe begradigt ist, will der Lippeverband sie künftig wieder freier fließen lassen. Trotz einer in den vergangenen Jahr-zehnten deutlich verbesserten Wasserqualität durch die vielen Kläranlagen des Lippeverbandes sind weitere Verbesserungsmaß-nahmen insbesondere bei der Gewässerstruktur erforderlich. Diese wurden in den vergange-nen Jahren im Rahmen soge-nannter Umsetzungsfahrpläne erarbeitet.

Die engen Ufer der Lippe sollen natürlicher und so weit wie mög-lich entfesselt werden. Auen dür-fen wieder unter Wasser stehen und an den Wehren werden Fischtreppen gebaut. Das natür-liche Aussehen des Flusses wird wieder hergestellt, und dort, wo es möglich ist, wird die Entwick-lung von Wildnis zugelassen. Die geplanten Maßnahmen dienen nicht nur der Verbesserung der Gewässerökologie, es werden auch zahlreiche neue Möglichkei-ten zur Naherholung entstehen. Weil die Gewässerauen als na-türliche Rückhalteflächen zusätz-liche Wassermengen speichern können, wird auch gleichzeitig der Hochwasserschutz verbes-sert.

Einige Maßnahmen des Lippe-verbandes laufen bereits bzw. sind schon fertig gestellt worden: Die Mündung der Lippe in den Rhein bei Wesel wurde bereits vor einigen Jahren neugestaltet. Am Haus Vogelsang in Datteln hat der 1. Bauabschnitt zur Lippe-Renaturierung Ende 2015 be-gonnen, der 2. Bauabschnitt läuft aktuell. Ebenfalls begonnen wur-de im Sommer 2016 mit der Rückverlegung (!) der Lippe-Deiche im Bereich Haltern und Marl. Damit einher geht auch die Schaffung einer neuen Lippe-Auenfläche – eine Voraussetzung zur Förderung der Artenvielfalt. Weitere Maßnahmen sind unter anderem in Hamm, Lünen und Werne geplant.

Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft wurde 1899 in Bochum gegrün-det. Ihre Aufgaben sind die Un-terhaltung der Emscher, die Ab-wasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um. Über einen Zeitraum von rund 30 Jahren investiert die Emschergenossenschaft prog-nostizierte 5,266 Milliarden Euro in die Revitalisierung des Em-scher-Systems.

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