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Schuld und Glaub-Würdigkeit

Stellungnahme von Pfarrer Klaus Honermann: Kardinal Pell, ein enger Mitarbeiter des Papstes, ist in Australien des Missbrauchs in seiner Zeit als Priester und Bischof angeklagt.

Das ist äußerst erschütternd. Bisher waren Bischöfe hin und wieder angeklagt, Priester gedeckt zu haben, welche Missbrauch begangen hatten. Sie wollten den Ruf der Kirche schützen, sind aber nicht ihrer vorrangigen Pflicht des Opfer-schutzes nachgekommen, sondern haben das „Problem“ nur verlagert; die Angelegenheit nur moralisch, aber nicht in ihrer bleibend zerstörerischen Dimension gesehen. Um es vorweg zu sagen: Auch in diesem schwerwiegenden Fall ist nicht „die Kirche“ die Leidtragende, sondern die Opfer.
Jedoch leidet die Kirche unter einem weiteren Verlust ihrer Glaub-Würdigkeit, da der ehemalige „Finanzminister“ des Vatikans des Missbrauchs angeklagt ist, den er bestreitet. Auch wenn die Unschuldsvermutung gilt, bis ein gültiger Schuldspruch erteilt ist – so schadet allein die Anklage schon der Glaubens-Gemeinschaft.
Ein jeglicher Kindesmissbrauch fügt dem Opfer eine lebenslange Wunde zu. Oftmals entspricht die weltliche Strafverurteilung nicht der Schwere der Schuld und der lebenslangen Last der Opfer. Wenn ein Seelsorger der Täter ist, kommt eine Art Glaubensvergiftung hinzu, da demjenigen, der im Namen Gottes handeln soll, ein besonderer Vertrauensvorschuss gegeben wurde, der zudem noch missbraucht wurde.
Einige Beobachtungen:
Ein amerikanischer Kardinal war vor Jahren fälschlich des Missbrauchs angeklagt, wie sich im Nachhinein herausstellte. Er hat sich mit dem Verleumder versöhnt.
Sodann: es besteht – wie wissenschaftlich erwiesen wurde – kein notwendiger Zusammenhang zum Zölibat. Diese Anmerkung soll nicht das Thema Zölibat als solches erörtern. Gleichwohl stellt sich die Frage nach der notwendigen Prüfung der emotionalen und psychischen Reife von Priesteramtskandidaten. Ein Missbrauchstäter begegnet seinem sexuellen Gegenüber nicht auf Augenhöhe, sondern sucht sich einen schwächeren Menschen, um seine eigene Schwäche zu kaschieren oder Macht auszuüben.
Ein dritter Hinweis: Im Bistum Münster sind alle Seelsorgerinnen und Seelsorger verpflichtet, ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen und an einer Präventionsschulung teilzunehmen, sowie diese nach einigen Jahren zu wiederholen. Auch alle, welche mit Kindern und Jugendlichen im Bereich der Kirche zu tun haben – von Erzieherinnen bis hin zu Gruppenleitern in Ferienlägern – unterliegen in verschiedenen Abstufungen dieser Pflicht.
Diese drei Hinweise sollen nicht die Schwere der Anklage Kardinal Pells herunterspielen. Sie gehören jedoch zu einer objektiven Gesamtwahrnehmung.
Glaubensverlust hat auch mit Glaubwürdigkeits-Verlust zu tun. Ein schlimmer Nebeneffekt der Missbrauchsfälle ist die Tatsache, dass immer weniger Menschen der Kirche „Kredit“ (und darin steckt auch das Wort Credo) gewähren, je deutlicher ihre Vertreter kein Vorbild abgeben in Sachen gelungenes Leben.
Dieser Entwicklung kann nur entgegen gewirkt werden durch Anerkennung von Schuld, Bitte um Vergebung verbunden mit deutlichen Zeichen der Buße, und positive Beispiele des Daseins für andere.
Neues Vertrauen und Glaub-Würdigkeit wieder aufzubauen, wird ein langer Prozess sein.

 

 

 

3.5.18 Klaus Honermann

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