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Nahwaerme

Schermbeck setzt auf Geothermie: Kaltes Nahwärmenetz im Spechort offiziell gestartet 

17.4.2026 Schermbeck .Ein wichtiger Schritt für die Energiezukunft in Schermbeck ist geschafft: Die Gemeinde hat jetzt das neue „kalte Nahwärmenetz“ im Neubaugebiet Spechort offiziell in Betrieb genommen. Damit werden künftig alle 49 Baugrundstücke klimafreundlich und vollständig regenerativ mit Wärme und Kühlung direkt aus der Erde versorgt.

Über insgesamt 30 Erdwärmesonden wird die natürliche Wärme aus rund 175 Metern Tiefe gewonnen. Diese sogenannte oberflächennahe Geothermie liefert Energie auf niedrigem Temperaturniveau zwischen 0 und 20 Grad.

Über ein Leitungsnetz wird diese Energie im gesamten Quartier verteilt. In den einzelnen Gebäuden übernehmen dann moderne Sole-Wärmepumpen die „Feinarbeit“: Sie heben die Temperatur für Heizung und Warmwasser auf das gewünschte Niveau an. Im Sommer kann das System nämlich sogar zur Kühlung der Gebäude genutzt werden. Das Ganze funktioniert emissionsfrei und ohne klassischen Heizkessel.

Nahwaermezwei

Der Weg bis zur Inbetriebnahme war gut geplant: Während 2022 die ersten Probebohrungen vorgenommen werden konnten, folgten 2023 Genehmigungen und Förderzusagen. Der Bau des Netzes erfolgte dann 2024, bis schließlich Ende vergangenen Jahres der erste Anschluss realisiert werden konnte.

Seitdem werden bereits erste Gebäude erfolgreich mit klimaneutraler Wärme versorgt. Denn im Neubaugebiet hat sich schon viel getan und die ersten Neubauten sind bezogen. Ziel ist es, bis 2028 rund 90 Prozent der Gebäude im Neubaugebiet Spechort an das Netz anzuschließen.

Zukunftssicher in schwierigen Zeiten

Ein großer Vorteil für die zukünftigen Bewohner: Sie müssen sich weder um den Betrieb noch um Wartung oder Instandhaltung kümmern. Das übernehmen die Gemeindewerke Schermbeck gemeinsam mit der GELSENWASSER AG. Auch die Energiebeschaffung ist Teil dieses Gesamtpakets. Damit bietet das System eine komfortable „Rundum-Versorgung“ ohne eigenen Anlagenbetrieb im Haus.

Nahwaermedrei

Bürgermeister Mike Rexforth betont die Bedeutung des Vorhabens für die Gemeinde: „Mit dieser Inbetriebnahme setzen wir einen wichtigen Meilenstein für eine klimafreundliche und zukunftssichere Wärmeversorgung in unserer Gemeinde.“

Auch die Geschäftsführer der Gemeindewerke Schermbeck, Manuel Behlke und Hubert Große-Ruiken, unterstreichen die Bedeutung des Projekts:
„Mit dem erfolgreichen Start des Regelbetriebs in diesem Quartierswärmesystem zeigen wir, dass kalte Nahwärme auf Basis von oberflächennaher Geothermie zuverlässig und effizient funktioniert. Wir sammeln aus dem Regelbetrieb Erkenntnisse, um das System weiter zu optimieren und eine wertvolle Grundlage für zukünftige Quartierslösungen zu bilden, hier in der Kommune und darüber hinaus.“

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Bauherrinnen und Bauherren im Neubaugebiet zum Anschluss an das System verpflichtet haben. Doch ohne ginge es auch gar nicht und genau das sei der Knackpunkt, erklärt Hubert Große-Ruiken: „Das kalte Nahwärmenetz funktioniert nur dann effizient und wirtschaftlich, wenn möglichst viele Gebäude daran teilnehmen. Anders als bei individuellen Heizungen ist hier die gesamte Infrastruktur, also Bohrungen, Leitungen und Technik, für das ganze Quartier gemeinsam geplant und gebaut worden.“

Ohne eine verpflichtende Teilnahme bestünde das Risiko, dass sich einzelne Eigentümer dagegen entscheiden. Das hätte zwei Folgen: Einerseits würden sich die hohen Investitionskosten, die zu 40 Prozent gefördert wurden, auf weniger Haushalte verteilen und andererseits würde die Anlage nicht optimal ausgelastet sein.

Dabei sei das besonders gefordert, denn es müsse ein Umdenken passieren, „wir müssen weg von der Abhängigkeit und fossilen Energien“, sagt es der Bürgermeister deutlich. „Und hier haben wir einen Anfangspunkt mit Beispielcharakter gesetzt, der auch durchaus Mut erfordert hat.“

Text und Fotos Aileen Kurkowiak Lebensart Redaktion