Landwirtschaft zum Anfassen bei den jährlichen Feldspielen mit der Interessengemeinschaft der Schermbecker Landwirte
12.6.2026 Schermbeck (vm). 171 Schermbecker Grundschulkinder lernten auf dem Hof Haddick, warum Aufklärung über Landwirtschaft so wichtig ist
Vor dem Kuhstall drängen sich neugierige Kinder. Auf einem anderen Teil des Hofes werden Getreidehalme begutachtet, während wenige Meter weiter Wildkräuter ertastet und bestimmt werden. Fragen schallen über den Hof der Familie Haddick in Schermbeck: „Werden Kühe auch gewaschen?“ oder „Warum steht Mais auf einem Feld?“ Am Mittwochvormittag wurde der landwirtschaftliche Betrieb zum Klassenzimmer unter freiem Himmel.
Seit mehr als 30 Jahren veranstaltet die Interessengemeinschaft der Schermbecker Landwirte die Feldspiele für die Drittklässler der örtlichen Grundschulen. Ziel der Aktion ist es, Kindern die Landwirtschaft näherzubringen und ihnen einen direkten Einblick in die Arbeit auf den Höfen zu ermöglichen.
Lernen, wo Lebensmittel entstehen
„Es ist wichtig, dass die Kinder wenigstens einmal auf einem Bauernhof waren“, sagt Organisatorin Silke Sümpelmann. Deshalb wandert der Austragungsort jedes Jahr durch die verschiedenen Ortsteile der Gemeinde. Diesmal stellte die Familie Haddick stellvertretend für Rüste und Altschermbeck den Austragungsort. „Wir freuen uns, nach vielen Jahren wieder Gastgeber zu sein. Uns liegt am Herzen, dass die Kinder am Ende des Tages eine schöne Zeit hatten und das ein oder andere gelernt haben“, sagt Annette Haddick.
Dass die Schülerinnen und Schüler dabei viel entdecken konnten, zeigte sich schnell. An insgesamt sechs Stationen hatten die Landwirte ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet. Mais, Kartoffeln, Getreide, Wildkräuter, Kühe und die rollende Waldschule standen auf dem Lehrplan. Immer zwei Landwirte betreuten eine Station und vermittelten ihr Wissen auf spielerische Weise.
Anschaulich wurde es zum Beispiel bei Heinz-Gerd Fengels. Er hatte verschiedene Getreidesorten wie Gerste, Roggen, Weizen und Hafer mitgebracht, sowohl als Pflanzen als auch in Form der getrockneten Körner. Die Kinder lernten, die Sorten zu unterscheiden, erfuhren, wofür sie verwendet und wie sie angebaut werden.
Doch Fengels ging es um mehr als reine Sachkunde. „Ich habe ihnen auch erklärt, wie viel Verlust die Landwirte haben, wenn Kinder auf solchen Feldern spielen und die Pflanzen umknicken“, berichtet er. Für ihn ist die direkte Begegnung zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern besonders wichtig. „Aufklärungsarbeit ist essenziell und die Aufgabe der Landwirte. Wir können das Wissen bei den Kindern nicht voraussetzen“, sagt er. Die Feldspiele seien eine Chance, die Realität der Landwirtschaft zu zeigen und Vertrauen aufzubauen.
Wissen testen und Gemeinschaft erleben
Mit großem Eifer stellten sich die Kinder den Aufgaben an den einzelnen Stationen. Das erworbene Wissen wurde direkt überprüft: Zum Abschluss jeder Station wartete ein kleines Quiz. Die Klasse mit dem besten Gesamtergebnis durfte sich am Ende über eine besondere Auszeichnung freuen. Leer ging jedoch niemand aus: Malbücher, Kappen, Stifte und Pixi-Bücher gab es für alle Teilnehmer.
Für die Verpflegung sorgten die Schermbecker Landfrauen. Frische Milch, Kakao und Brot mit Kräuterbutter stärkten Kinder und Helfer gleichermaßen. Unterstützung erhielt die Veranstaltung zudem von der Volksbank Schermbeck. Denn die Feldspiele werden Jahr für Jahr ehrenamtlich organisiert. Und das bedeutet für viele Landwirte, ihren Betrieb für mehrere Stunden ruhen zu lassen. Dennoch sind sich die Beteiligten einig: „Der Aufwand lohnt sich.“
Auch die Schulen schätzen das Angebot. „Viele Kinder hier kommen zwar vom Land, aber auch sie können noch einiges lernen“, sagt Joscha Klees, Konrektor der Grundschule Schermbeck. „Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, zumal der ganze Vormittag von Experten vorbereitet wurde.“ Die Eindrücke und das neu erworbene Wissen sollen in den kommenden Tagen im Unterricht noch einmal aufgegriffen werden.
Dass nicht alle Kinder regelmäßig mit Landwirtschaft in Berührung kommen, zeigte sich zwischendurch immer wieder. Während einige wissbegierig Fragen stellten, war aus einer anderen Ecke beim Vorbeigehen am Stall ein deutliches „Ih, das stinkt“ zu hören.
Insgesamt waren 171 Schülerinnen und Schüler aus fünf Klassen auf dem Hof Haddick unterwegs. Ein gelungener Tag für alle Beteiligten.
Text und Fotos Valerie Misz