
Thomas Ricken und Vera Lachmann
Recherche erfolgreich- Fundstück aus dem Krieg an Kirche zurückgegeben
4.9.2026 Gahlen (geg). Seit vier Jahren gibt es in Gahlen Weihnachtswichtel, die in der Vorweihnachtszeit mit einer kleinen Aufmerksamkeit für strahlende Augen bei alleinstehenden Seniorinnen und Senioren sorgen. Zu den Wichteln gehören Vera Lachmann, Karin Schneider, Renate Hartwig, Marianne Schulte, Marion Rath, Gabi Maralli und Ute Enger, die bei ihren Besuchen dann auch immer ein wenig Zeit für die älteren Menschen mitbringen. Zeit in der über dies und das geredet wird.
Bei so einem Besuch wurde Vera Lachmann mit einem eher ungewöhnlichen Anliegen von Wilfried Rödder, der im Juli verstorben ist, konfrontiert.
Wilfried Rödder hat bis zu seinem Eintritt ins den Ruhestand in Essen gelebt und einen Campingplatz in Östrich gepachtet. Als er Rentner wurde, zog er mit seiner Frau, die bereits vor einigen Jahren starb- komplett nach Östrich.
Mit umgezogen ist ein Weihrauchfass, welches ein Bekannter nach dem Krieg in einem Bombenkrater in der Nähe des Bahnhofs West gefunden hatte und an Wilfried Rödder zur Aufbewahrung gab. Bei ihrem Besuch im letzten Jahr trat Wilhelm Rödder mit dem Anliegen an Vera Lachmann heran ihm zu helfen, das Weihrauchfass dem Besitzer zurückzugeben.

Thomas Ricken
Sie habe zugesagt, aber es habe sich leichter angehört, als es schließlich war. „Wir wussten nicht genau, zu welcher Kirche das Weihrauchfass gehört hat und ob es diese Kirchengemeinde überhaupt noch gibt“, erzählte Vera Lachmann. Auf dem Fass selbst ist kein Hinweis zu finden. So schrieb sie eine email mit ihrem Anliegen an die Pfarrei St. Antonius auf dessen Antwort sie wochenlang warten musste. „Ich hatte das Gefühl, dass sich das Interesse doch sehr in Grenzen hielt“, erzählte Vera Lachmann. Das Gefühl täuschte, denn schließlich meldete sich Thomas Ricken, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Pfarrei, der sich mit der Historie der Kirchen dort auskennt.
Bei seinem Besuch in Gahlen erfuhr Vera Lachmann, dass zwei Kirchen als Fundstelle in Frage kommen könnten. Nämlich die bereits abgerissene Kirche St. Anna oder Mariä Himmelfahrt, wobei Ricken vermutet, dass das Weihrauchfass aus St. Anna stammt. Das Gotteshaus wurde im Jahr1907 erbaut, 2008 außer Dienst gestellt und 2015 entweiht. Ricken schätzt, dass das Fass welches wahrscheinlich auch im Feuer gelegen habe, aufgrund seiner filigranen Struktur in die neugotische Zeit passt.
Über die Rückgabe des Weirauchfasses zeigte sich Thomas Ricken begeistert. „Das ist ganz toll“, strahlte er und versprach sich mit dem Bistumsarchiv in Verbindung zu setzen. „Vielleicht gibt es Informationen im Inventarverzeichnis und Hinweise auf mögliche Spender.“
Über den Erfolg ihrer Recherche freute sich Vera Lachmann sehr, wenn sie es auch schade findet, dass Wilhelm Rödder die Rückgabe an den Rechtsnachfolger der Kirche St. Anna nicht mehr erleben kann.
