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Hoerstation

Schermbeck macht Bahngeschichte jetzt hörbar

19.5.2026 Damm (vm). An der alten Bahntrasse informiert eine neue Hörstation über die Geschichte des Personen- und Güterverkehrs in Damm
Mit einer neuen Hörstation erinnert die Gemeinde Schermbeck seit Montag (18. Mai) an ein Stück regionaler Geschichte. Diese wurde offiziell eröffnet und befindet sich in Damm an der beliebten Radstrecke zwischen Haltern und Wesel, auf der Ecke Alte Landstraße/Zur Lippe. Genau dort, wo einst 100 Jahre lang Züge unterwegs waren. Bereits seit 2017 informiert an dieser Stelle eine aufwendig gestaltete Tafel des Turmvereins Damm über die Geschichte der ehemaligen Bahnstation, die heute längst verschwunden ist.
Die Bahnstrecke hat eine lange Tradition. Schon ab dem 1. März 1874 rollten die ersten Güterzüge durch Damm. Die Strecke gehörte zur Verbindung von Hamburg nach Paris und wurde von der Cöln-Mindener Eisenbahn gebaut. In Schermbeck hoffte man damals auf wirtschaftlichen Aufschwung und bessere Transportmöglichkeiten für Holz und Getreide aus der Region. Nicht alle waren begeistert: Einige Bauern sahen den Bau kritisch, weil dafür Teile ihrer Felder benötigt wurden. Gleichzeitig entstanden durch die Bahn aber auch neue Arbeitsplätze.
Als der Kaiser vorbeifuhr
Die Strecke führte von Haltern über Wesel bis nach Venlo. Bevor die Bahn an Bedeutung gewann, wurden viele Waren noch über die Lippe transportiert. Die Haltestelle Damm/Lippe kam erst 1906 hinzu, als die Strecke zusätzlich für den Personenverkehr genutzt wurde. Bis 1962 hielten dort Personenzüge, Güterverkehr gab es noch bis 1974, insgesamt also genau 100 Jahre lang.
Heute erinnert dort eine Hörstation an diese Zeit. Auf dem Hektometerstein 28,9 wurde ein QR-Code angebracht. Wer ihn scannt, kann ein Interview mit der Schermbecker Tourismusbeauftragten Birgit Lensing und Frank Steinbrink vom Turmverein Damm anhören. Darin gibt es einige zusätzliche Geschichten und Hintergründe, die auf der Infotafel nicht zu finden sind. Unter anderem geht es darum, dass sogar Kaiser Wilhelm II. einst mit dem Zug durch Schermbeck-Damm gefahren sein soll. Über viele Jahrzehnte nutzten Lieferanten, Arbeiter, Schüler und auch das Militär die Strecke. Erst mit neuen Verkehrsmitteln wie Bussen verlor die Bahn zunehmend an Bedeutung.
Vom Gleis zum Radweg
Nach der Stilllegung entwickelte der Regionalverband Ruhr (RVR) Teile der alten Bahntrasse nach und nach zu einem Rad- und Wanderweg zwischen Schermbeck und Wesel um. Besonders der alte Bahnhof Damm wird heute gerne von Radfahrern als Rastplatz genutzt. Sitzgelegenheiten und ein Tisch laden dort zum Verweilen ein. „Und jetzt auch dazu, noch mehr über die Geschichte des Ortes zu erfahren. Die Stelle hier eignet sich einfach hervorragend für eine Hörstation“, sagt Ernst-Hermann Göbel, Ehrenvorsitzender des Turmvereins. Um die Pflege der Gedenkstation kümmern sich Heinz Neu und Norbert Basser.
Unterstützt wurde das Projekt auch von Jan-Gerrit Zajdel, einem Mitarbeiter der Gemeinde, der sich um technische und mediale Themen kümmert. Die Hörstation in Damm ist dabei nicht das erste Projekt dieser Art in Schermbeck.
Geschichten hören
In den vergangenen Jahren sind bereits mehrere Hörstationen entstanden. In Gahlen gibt es beispielsweise elf Stationen auf Plattdeutsch und Hochdeutsch. Außerdem wurde der historische Rundwanderweg mit mittlerweile 15 Hörpunkten ausgestattet. Hinzu kommen 20 sogenannte „Lieblingsorte“, die gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule entwickelt wurden. Die neue Station am ehemaligen Dammer Bahnhof ist inzwischen ebenfalls in der Schermbeck-App zu finden.
Und weitere Projekte sind bereits geplant. „Dieses Angebot kommt bei den Schermbeckern, Gästen und Touristen gut an“, freut sich Birgit Lensing. Deshalb wolle die Gemeinde das Angebot weiter ausbauen. „Es gibt hier viele Orte, deren Geschichte zu erzählen, sich lohnt“, betont Lensing. Die nächste Station sei auch schon in Planung, verrät sie.

Text und Foto Valerie Misz- Lebensart Redaktion

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