Die Evangelische Stiftung Lühlerheim schafft ein neues Angebot speziell für Frauen- Stationäre Wohnhilfe soll im Herbst eröffnen.
20.3.2025 Weselerwald (js). Im Straßenbild sind sie kaum sichtbar, doch sie sind ein Teil unserer Gesellschaft: Frauen ohne festen Wohnsitz, die zwischen Notunterkünften und dem Leben auf der Straße pendeln. "Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren verschärft", sagt Theo Lemken, Geschäftsführer der Evangelischen Stiftung Lühlerheim in Schermbeck. "Nicht nur in größeren Städten, sondern mittlerweile auch in ländlichen Gebieten." Daher wird im Lühlerheim nun eine stationäre Wohnhilfe speziell für wohnungslose Frauen eingerichtet.
Wohnungslose Frauen nehmen in der Wohnungslosenhilfe eher eine Randposition ein – aus zwei wesentlichen Gründen: Viele betroffene Frauen gehen mit ihrer Situation nicht öffentlich um und führen ein verstecktes Leben. Dadurch bleiben sie oft unsichtbar und verschwinden aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Etwa 30 Prozent der Menschen ohne Wohnung sind weiblich. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die steigenden Lebenshaltungskosten durch die Inflation haben die Situation zusätzlich verschärft. Gleichzeitig gibt es zu wenige Hilfeangebote, die auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind.
Die Evangelische Stiftung Lühlerheim schafft ein neues Angebot speziell für Frauen. Stationäre Wohnhilfe soll im Herbst eröffnen. (v.L.) Sozialarbeiterin Marion Heerdes, Architekt Marc Falke und Theo Lemken, Geschäftsführer der Evangelischen Stiftung Lühlerheim. Foto: Julian Schäpertöns
Seit über 135 Jahren bietet das Lühlerheim Menschen in Wohnungsnot Unterkunft, Begleitung, Unterstützung und Perspektiven, um eine Lebenskrise zu überwinden – bislang jedoch nur für Männer. Aktuell leben 96 wohnungslose Männer im Lühlerheim. "Vereinzelt haben wir auch Frauen", so Theo Lemken. Derzeit sind es drei. Doch der Bedarf ist deutlich höher. Zudem sind die Anforderungen für Frauen oft andere als für Männer. "Hygiene und vor allem Sicherheit sind uns ein großes Anliegen", betont Sozialarbeiterin Marion Heerdes.
Viele wohnungslose Frauen haben in ihrem Leben körperliche und sexuelle Gewalt erfahren. Das neue Angebot im Lühlerheim soll ihnen einen sicheren Zufluchtsort bieten. "Wir setzen bewusst auf ausschließlich weibliche Mitarbeiterinnen in diesem Haus und kontrollieren den Zugang", erklärt Theo Lemken. Ziel ist es, die Frauen auf ein eigenständiges Leben mit geregeltem Alltag vorzubereiten. Das Wohnhaus soll keine Dauerlösung sein, sondern eine Brücke zur Selbstständigkeit.
Die Frauen erhalten individuelle Unterstützung bei finanziellen Problemen, Sucht oder der Bewältigung von Erfahrungen häuslicher Gewalt. Im Rahmen einer gemeinsamen Hilfeplanung werden persönliche Lebensziele besprochen und Maßnahmen zur Umsetzung vereinbart.
Ein Blick in den geplanten Gemeisnchaftsraum
Insgesamt werden elf Plätze auf drei Wohnebenen geschaffen. Küche, Sanitärbereiche und Gemeinschaftsräume werden gemeinsam genutzt. Seit November laufen die Umbauarbeiten in einem ehemaligen Wohngruppenhaus direkt gegenüber der Verwaltung. Bis Herbst 2025 soll das Projekt abgeschlossen sein, sodass die ersten Frauen einziehen können.
Auch für die Evangelische Stiftung Lühlerheim bedeutet das neue Angebot ein neues Feld. "Wir werden Erfahrungen sammeln und das Konzept stetig weiterentwickeln", so Theo Lemken. Die Initiative markiert einen wichtigen Schritt, um wohnungslosen Frauen gezielt zu helfen und ihnen eine neue Perspektive zu ermöglichen und ist im Kreis Wesel bisher einmalig.