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Wilhelm Entrop Elise Entrop

Das Schermbecker Königspaar Wilhelm Entrop und Else Entrop mit dem Offizierskorps der Kilian-Schützengilde Schermbeck 1926, Foto: privat

(Alt)Schermbecker Festzug mit 100 Mann und Blaskapelle übte weinseeligen Aufstand gegen Sperrstunde

Wie das Kilian-Schützenfest vor 100 Jahren in Schermbeck und Altschermbeck gefeiert wurde

Von Finn Jungenkrüger
10.7.2026 Wenn wir heute Schützenfest feiern, blicken wir auf eine lange Tradition zurück. Ein Blick in die Lokalzeitungen „Allgemeiner Anzeiger“ und „Dorstener Volkszeitung“ vom Juli 1926 offenbart jedoch, dass das Kilian-Schützenfest in Schermbeck und Altschermbeck schon vor genau 100 Jahren ein absoluter Ausnahmezustand war – und das in einer extrem krisenhaften Zeit.
Das Jahr 1926 war geprägt von schwerer „Wirtschaft-, Geschäfts-, Arbeits- und Finanznot“. Die Menschen hatten eigentlich kein Geld, weshalb viele Sommerfeste im Land behördlich gekürzt oder ganz abgesagt wurden. Nicht so in Schermbeck. Die Dorstener Volkszeitung kündigte das allbeliebte Doppel-Schützenfest im Vorfeld als den „Inbegriff von Freude und Vergnügen“ an.
Ein zeitgenössisches Gedicht aus dem Allgemeinen Anzeiger vom 10. Juli 1926 brachte die unerschütterliche Haltung der Schermbecker auf den Punkt:
„Und sind auch die Zeiten schlecht und teuer / Das ist ja jedem Schermbecker gleich / Ein jeder sorgt für Kiliansgeld zur Feier / Ob groß, ob klein, ob arm ob reich.“

Das viertägige Fest (vom 10. bis 13. Juli 1926) diente als kollektives Ventil und purer Eskapismus, um den harten Alltag komplett zu vergessen. Das „Durchmachen“ und der rauschende Konsum standen im krassen Gegensatz zur Schwere der Zeit und waren den Behörden mancherorts ein Dorn im Auge. Doch die Anziehungskraft war ungebrochen: Sobald der „Kilian“ nahte, schlossen Geschäfte und Werkstätten überaus pünktlich, und die Arbeit wurde kurzerhand als notwendiges Übel ignoriert.
Nach bangen Blicken auf das regenhafte Wetter in den Vorwochen klärte sich der Himmel pünktlich auf. Der strahlende Sonnenschein lockte eine regelrechte „Völkerwanderung“ nach Schermbeck. Autos, Motorräder und Fahrräder belagerten die Landstraßen in beängstigender Dichte.
Für die Altschermbecker gab es in diesem Jahr zudem eine historische Premiere zu bestaunen: Zum ersten Mal nahm der neugebildete Altschermbecker Reiterzug an den festlichen Umzügen teil.
Gefeiert wurde parallel in zwei großen Festzelten: Zum einen im rheinländischen Schermbeck und zum anderen im westfälischen Altschermbeck. Aufgrund der unterschiedlichen regionalen Zugehörigkeiten gab es jedoch einen Haken: Während in Schermbeck die Sperrstunde erst um 3 Uhr nachts griff, galt in Altschermbeck bereits ab 0 Uhr striktes Ausschankverbot!
Dieser Umstand führte in der Nacht zu einem Vorfall zivilen Ungehorsams, der in keinem Zeitungsartikel auftauchte: Als zwei Oberlandjäger gegen halb eins nachts den Ausschank im Altschermbecker Zelt stoppen wollten, stießen sie auf Granit. Der Festwirt zapfte einfach weiter und Ortsvorsteher Heinrich Schetter rief den Beamten trotzig zu: „Wir machen keinen Feierabend, die Verantwortung übernehme ich ganz allein!“.
Mitten in diesen Tumult marschierte auch noch ein Altschermbecker Festzug mit 100 Mann und Blaskapelle ins Zelt ein. Angesichts von rund 800 feiernden Menschen kapitulierten die vier anwesenden Polizisten schlussendlich und sahen bis 2:30 Uhr tatenlos zu. Für diesen weinseligen Aufstand wurde Ortsvorsteher Schetter später vom Landrat disziplinarisch bestraft und musste saftige 110 Mark blechen – damals ein kleines Vermögen. Seine Rechtfertigung: Er habe lediglich eine Massenschlägerei verhindern wollen.
[Bild 2]
Trotz aller Turbulenzen wurde natürlich auch der traditionelle Kern des Festes – das Vogelschießen – zelebriert. In Schermbeck errang Wilhelm Entrop die Königswürde und wählte Else Entrop zu seiner Königin. In Altschermbeck tat der Üfter Josef Deiters tat den entscheidenden Königsschuss und erkor Maria Triptrap zur Schützenkönigin.